Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten Köpenick

Vor sieben Jahrzehnten – Köpenicker Blutwoche Juni 1933

Köpenicker Straßen tragen Namen sozialdemokratischer Persönlichkeiten wie Richard Aßmann, Paul von Essen, Paul Pohle, Johann Schmaus, Johannes Stelling sowie von den Kommunisten Erich Janitzky, Karl Pokern, Paul und Josef Spitzer. Für den parteilosen jüdischen Fabrikanten Dr. Georg Eppenstein und andere gibt es noch keine Gedenkorte.

Im Verlaufe der Köpenicker Blutwoche ab 21. Juni 1933 wurden sie in den SA-Schlägerlokalen grausam gefoltert und brutal ermordet. Fünfundzwanzig Todesopfer sind bis heute bekannt. Weitere Nazi-Gegner, Sozialdemokraten und Kommunisten, Deutschnationale, Juden und Christen, Gewerkschafter, Sportler, Junge und Alte wurden gequält, gefoltert und für ein Leben lang physisch und psychisch verletzt. Mit der Erinnerung wollen wir versuchen, ihre zerstörte Würde wieder aufzurichten.

Abscheu verbindet sich mit den Namen der Täter, SA-Führern wie Gehrke, Plönzke, Beyer, Erpel, Haller, Letz, Brockmann, Demuth, Jochem, Liebenhagen, Maeder, Scharsich, Thermann, Tschierley. Diese Haupttäter wurden nach Gesetz des Allierten Kontrollrats mit dem Tode bestraft. Andere wurden zu lebenslänglichen oder langen Zuchthausstrafen verurteilt, wie der Kriminaldirektor und SA-Mann Otto Busdorf. Warum entwickelten Menschen eine so furchtbare Gewaltbereitschaft und wie kann so etwas künftig verhindert werden?

Heinrich Himmler, Chef der SS umschrieb den barbarischen Terror, darunter die Köpenicker Blutwoche, als „Kriegsschauplatz Innerdeutschland“. Seit der Bildung der Regierung Hitler, Hugenberg, von Papen im Januar 1933 wurden Gegner des Nazi-Regimes terrorisiert, die KPD ihrer Mandate beraubt und in die Illegalität getrieben, die Gewerkschaften zerschlagen und ausgeraubt.

Mit dem 21. Juni folgte das Verbot des Deutschnationalen Partners. Am 22 Juni wurden die SPD und ihre Zeitungen verboten, die Abgeordnetenmandate annulliert und das Vermögen beschlagnahmt.

In dieser Situation schlug die Köpenicker SA los. Jede Oppostion sollte mit Angst und Schrecken , sogar mit Massenmord für immer niedergehalten werden. Aufrechte Menschen, die die Wahrheit über den brutalen Terror, über den Anteil der Köpenicker SA am Reichstagsbrand veröffentlichten, sollten für immer zum Schweigen gebracht werden.

Mit dem Gesetz „Über das Ende der nationalsozialistischen Revolution“ wurde Terror wie in Köpenick legalisiert, den SA-Mördern kein Haar gekrümmt.

Erst nach dem Sieg über das Nazi-Regime und der Befreiung des deutschen Volkes durch die Antihitlerkoalition wurden diese Täter vor Gericht gestellt und bestraft. Das war ein Signal, um künftig keine Verbrechen gegen den Frieden, gegen die Menschlichkeit mehr zuzulassen. Die Welt von heute ist diesem Ziel immer noch weit entfernt. Zur Wahrnehmung unserer humanistischen Verantwortung nutzen uns die Lehren der Vergangenheit. Sowohl edle, mutige, humanistische Motive der Regimegegner als auch politische und moralische Haltungen und Untaten der Nazi-Verbrecher gilt es zu ergründen als Entscheidungshilfe für heute und morgen.

Opfer der Köpenicker Blutwoche

Weitere Opfer deren Tod bisher noch nicht amtlich festgestellt worden ist: Bukert, Flemming, Otto Kreide, Herbert Macker, Karl Rakowski

Johannes Stelling – Ein Leben für die Sozialdemokratie

Die Familie Kilian – Liddy und Götz waren Köpenicker Bezirksverordnete – wurde 1933 gedemütigt und misshandelt, schließlich in die Flucht getrieben. Götz verstarb an den Leiden, die ihm SA-Leute zufügten.